{"id":36,"date":"2007-11-19T00:00:26","date_gmt":"2007-11-18T23:00:26","guid":{"rendered":"\/\/boule-im-rheingau.de\/?p=36"},"modified":"2024-01-09T18:38:06","modified_gmt":"2024-01-09T17:38:06","slug":"euro-cup-2007-in-rastatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/boule-im-rheingau.de\/?p=36","title":{"rendered":"EURO-Cup 2007 in Rastatt"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"thickbox\" title=\"Eine beeindruckende Halle in Rastatt - ausschlie\u00dflich f\u00fcr Boule\" href=\"wp-content\/bilder\/EuroCupHalle-800.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/bilder\/EuroCupHalle.jpg\" alt=\"Eine beeindruckende Halle in Rastatt - ausschlie\u00dflich f\u00fcr Boule\" width=\"240\" height=\"180\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"10\" \/><\/a>Es waren nur 180 km aus dem Rheingau nach Rastatt &#8211; aus Kassel waren es mehr als 330 km und Gerhard, J\u00f6rn, Herbert und Ursula fanden es nicht zu weit. Und es hat sich gelohnt, wenn man bei Petanque als Zuschauersport von &#8222;lohnen&#8220; sprechen kann. Es stimmt: fast 13 Stunden unterwegs, die Fahrt mit drei Stunden und die Mittags- und weitere Pausen mit zwei Stunden abgezogen, bleiben acht Stunden Petanque, die zugegebenerma\u00dfen nicht immer spannend waren. Aber dazwischen: Hochspannung, fantastische Spielz\u00fcge, viele neue Eindr\u00fccke und unbezahlbare Lerneinheiten, sofern man aufmerksam ist und lernen will.<\/p>\n<p><!--more-->Lernen: Hier reicht der Platz nicht aus, all das zu beschreiben, was man an Technik und Taktik lernen konnte bei Spielen, die teilweise auf sehr hohem Niveau stattfanden. Vielleicht die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:<br \/>\nSpiele werden auch auf dieser Ebene im Kopf verloren; konstant sicheres Schie\u00dfen ist ungeheuer wichtig &#8211; aber letztlich gewinnen eine oder mehrere gut gelegte Kugeln; eine Mannschaft gewinnt oder verliert als Mannschaft; Petanque spielen k\u00f6nnen hier alle und trotzdem gewinnt eine Mannschaft und die andere hat manchmal keine Chance.<br \/>\nSoweit die Psychologie als bestimmende Einflu\u00dfgr\u00f6\u00dfe &#8211; und wer es noch nicht erlebt hat, sah hier eine Lehrstunde erster G\u00fcte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es auch ganz praktische Erkenntnisse: Wir schie\u00dfen im Vergleich alle viel zu flach; eine getroffene Kugel, die nicht hinter die Auslinie bef\u00f6rdert wird, ist fast ein Fehlschuss; ein Sauschu\u00df ist keine K\u00fcr f\u00fcr die Galerie, sondern bei Kugelnachteil oft die einzige Rettung; ach ja &#8211; und gelegt wird aus der Hocke.<\/p>\n<p><a class=\"thickbox\" title=\"Belgische Fans zeigen, welche Mannschaft sie unterst\u00fctzen - f\u00fcr uns noch etwas ungewohnt, aber wir arbeiten dran\" href=\"\/wp-content\/bilder\/EuroCupFan-800.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/bilder\/EuroCupFan.jpg\" alt=\"Belgische Fans zeigen, welche Mannschaft sie unterst\u00fctzen - f\u00fcr uns noch etwas ungewohnt, aber wir arbeiten dran\" width=\"240\" height=\"180\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"10\" \/><\/a>Eindr\u00fccke: Nun, Petanque wird vermutlich kein Zuschauermagnet &#8211; bei Fu\u00dfball ist in 90 + x Minuten alles vorbei und es war viel Spannung oder g\u00e4hnend langweilig. Auf jeden Fall: es ist vorbei. Bei einer Petanquebegegnung wei\u00df man nach dieser Zeit noch nichts. Vielleicht hat man ein paar spektakul\u00e4re Spielz\u00fcge gesehen &#8211; vielleicht aber auch nicht. Auf die Entscheidung wird man noch ein oder zwei Spielrunden warten m\u00fcssen. Bedauerlich: f\u00fcr zuf\u00e4llige und nicht allzu fachkundige Zuschauer wird nichts, aber auch garnichts getan. Von der Lausprecheranlage ist nur wenig zu verstehen und Erl\u00e4uterndes gibt es schon garnicht: Nichts zum Spielmodus, keine Mannschaftsaufstellungen, einfach nichts. So weist ein Zusachauer seinen wenig fachkundigen aber interessierten Trib\u00fcnennachbarn wenigstens in die wichtigsten Grundlagen ein: Der Spielmodus, wann hat eine Mannschaft gewonnen, warum wird beim Stand von 4:1 die weitere Runde mit den beiden Tripletten nicht mehr gespielt. W\u00e4re es wirklich f\u00fcr die vielen Fachleute so unertr\u00e4glich, wenn diese Selbstverst\u00e4ndlichkeiten angesagt w\u00fcrden. Und w\u00e4re es ein Mangel, wenn nicht nur die Schlachtenbummler der jeweiligen Mannschaft die Spieler mit Namen anfeuern k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Dass Petanque auch f\u00fcr Zuschauer ein Ereignis sein kann, zeigten insbesondere die belgischen Zuschauer. Anfeuerung per Zuruf und Gesang auf eine Weise, die uns noch fremd erscheint. So bleibt die Frage: Wer hatte hier eigentlich ein Heimspiel?<br \/>\nAber es bleibt auch festzuhalten: Eine traumhafte Halle, gro\u00dfe M\u00fche des Veranstalters, der extra f\u00fcr diese Veranstaltung eine Stahlrohrtrib\u00fcne aufgebaut hatte, viele flei\u00dfige H\u00e4nde &#8211; Danke, dass es auch f\u00fcr eine nicht so lukrative Veranstaltung noch r\u00fchrige Ausrichter gibt.<\/p>\n<p>Fantastische Spielz\u00fcge: Ja, liebe Rheingauer Boulefreunde &#8211; man kann Kugeln werfen und man kann Kugeln werfen. Das Eine ist sch\u00f6n und vielleicht auch gut &#8211; das Andere ist einfach begeisternd. Es stimmt, auch bei diesen Spielern ist nicht jeder Wurf eine Offenbarung &#8211; aber es gibt Spielz\u00fcge, die beim ersten Mal \u00fcberraschen und begeistern und sich bei einer Wiederholung eben nicht als Gl\u00fcckswurf herausstellen. Das, was uns an diesem Spiel begeistert ist hier sehr viel h\u00e4ufiger zu sehen. Das Carreu, h\u00e4ufig sogar sur place (f\u00fcr nicht so Fachkundige: die Schu\u00dfkugel bleibt genau dort liegen, wo die weggeschossene Kugel vorher lag &#8211; versuchen Sie das einmal) kann man hier immer wieder bewundern. Und man hat aufgrund der H\u00e4ufung die Chance, zu erkennen, welche Voraussetzungen bzw. welche Wurftechnik zu einem solchen Ergebnis f\u00fchrt und welche eben nicht. Auch f\u00fcr das taktische Verst\u00e4ndnis einer Partie gibt es so manches Aha-Erlebnis &#8211; dazu ist dann allerdings schon etwas mehr Erfahrung und einige Zeit des Nachdenkens erforderlich. Dann aber erf\u00fcllt sich die Aussage eines mir unbekannten Spielers: Boule \/ Petanque ist wie Schach mit Stahlkugeln. Aber ebenso wie Schach wird das kaum Massen von Zuschauern anziehen. So ist das eben.<\/p>\n<p>Hochspannung: K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, dass ein Dublette beim Stande von 9:4 noch spannend ist? Ca. 100 Zuschauer verfolgten das Dublette mixte zwischen der italienischen und der deutschen Mannschaft \u00fcberaus angespannt. Es war beim Gesamtstand von 3:1 schon die entscheidende Partie. So geh\u00f6rte die gesamte Aufmerksamkeit diesem letzten Spiel der zweiten Runde. Wer schon einmal Boule gespielt hat, wei\u00df, dass auch ein 12:4 noch keinen Sieg bedeutet. Hier gilt das Gleiche wie beim Tennis: Der letzte Punkt ist der schwerste und muss erst gewonnen werden.<br \/>\nSo wehrten sich hier Lara und Jan gegen ein unspektakul\u00e4r aber \u00fcberaus sicher spielendes Paar aus der italienischen Mannschaft. Letztlich vergebens, weil der Gegner Punkt um Punkt dem Ziel n\u00e4her kam und es schlie\u00dflich erreichte.<\/p>\n<p>Oder: Beim Stand von 10:10 glaubt das belgische Dublette mit drei Punkten das Spiel f\u00fcr sich entschieden zu haben. Doch die Meinung der Viernheimer Mannschaft, dass es nur zwei Punkte seien, wird vom Schiedsrichter best\u00e4tigt &#8211; statt Sieg nur 12:10. Die n\u00e4chste Aufnahme bei H\u00f6chstspannung in der Halle bringt einen Punkt f\u00fcr Viernheim &#8211; 12 : 11. Dann pl\u00f6tzlich entscheidender Kugelnachteil f\u00fcr Viernheim. Noch drei Kugeln. Ein erster Sauschu\u00df &#8211; daneben. Das war&#8217;s dann wohl. &#8222;Hol Dir die Sau&#8220; schallt es aus dem Publikum und von Mannschaftskameraden &#8211; die letzte Chance.<\/p>\n<p>Die Kugel fliegt und die Zielkugel (Sau) ebenfalls quer durch die Halle. Befreiter Jubel bei Spielern und Zuschauern &#8211; jedenfalls soweit sie sich auf der Seite von Viernheim w\u00e4hnen. Eine neue Aufnahme. Der Br\u00fcsseler Spieler schie\u00dft zwei &#8222;L\u00f6cher&#8220; &#8211; v\u00f6llig ungew\u00f6hnlich, aber das sind halt die Nerven. Nach zwei gut gelegten Kugeln von &#8222;Flo&#8220; Hennekemper erweist sich der belgische Leger als ebenso guter Schie\u00dfer. Die vorletzte Kugel des Viernheimer Schie\u00dfers &#8211; so meint man &#8211; bringt die Entscheidung &#8211; nur knapp 15 cm links hinter der Zielkugel. Aber der belgische Leger bleibt mit seiner letzten Kugel nur ca. 10 cm rechts vor dem Schweinchen. Es sieht so aus, als habe die belgische Mannschaft mit einiger Verz\u00f6gerung doch noch den Sieg eingefahren. Aber die letzte Kugel spielt Michael Schmidt, der Schie\u00dfer des Viernheimer Doublette. Langes Studium der Situation und ebenso lange Konzentration. Und dann &#8211; kein befreiender Schu\u00df sondern ein Hochportee, fast ein Plombee &#8211; kurz vor die Zielkugel gelandet und diese mitgenommen in Richtung der eigenen dahinter liegenden Kugel. So liegen sie denn gemeinsam beisammen: zwei Viernheimer Kugeln und eine Sau. 12:13 &#8211; ein schon verloren geglaubtes Spiel noch gedreht und \u00fcberbordende Begeisterung in der Halle. Auch das ist Petanque &#8211; und es stellt sich nicht mehr die Frage, warum man so viele Stunden hier gesessen hat. W\u00e4re man nicht dabei gewesen, man h\u00e4tte etwas verpasst. (Die Schlussphase dieser Partie habe ich \u00fcbrigens auf Video festgehalten.)<\/p>\n<p>Leider hat es f\u00fcr Viernheim nicht gereicht. Die beiden abschlie\u00dfenden Triplettes gingen verloren und damit die Gesamtbegegnung mit 3:4. W\u00e4hrend die Belgier in der Hallengastst\u00e4tte ausgelassen ihre Finalteilnahme feierten, hatte es Viernheim in der Barrage mit der italienischen Mannschaft (Anpi Molassana-Casellese &#8211; wo liegt das eigentlich, aber das werden andere sich bei &#8222;Viernheim&#8220; auch fragen) zu tun. In den beiden Triplettes hatte man nicht wirklich eine Chance. Soviel Schw\u00e4che (sechs Triplettebegegnungen wurden an diesem Tag verloren) muss sich auch auf die mentale Verfassung auswirken. So gingen dann von drei Dublettepartien auch noch zwei verloren. Aus der Traum vom Finale. Als Trost mag bleiben: Man hat schlie\u00dflich gegen den sp\u00e4teren Europacup-Gewinner verloren: Anpi Molassana-Casellese &#8211; Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/p>\n<p>Weitere Informationen und Bilder auf der Seite des Deutschen Petanque Verbandes (dort lese ich, dass Molassana ein Stadteil oder Vorort von Genua sei) und &#8211; man h\u00f6re und staune &#8211; bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/P%C3%A9tanque-Europacup_2007\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WIKIPEDIA<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren nur 180 km aus dem Rheingau nach Rastatt &#8211; aus Kassel waren es mehr als 330 km und Gerhard, J\u00f6rn, Herbert und Ursula fanden es nicht zu weit. 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